Hobby-Kicker, Aufsichtsrat, Markenbotschafter

 

Hobby-Kicker, Aufsichtsrat, Markenbotschafter

 

Marcell Jansen (32) ist seit dem 6. Februar eines von sechs Aufsichtsratsmitgliedern der HSV Fußball AG. Im Interview mit Norbert Plützer spricht der gebürtige Mönchengladbacher (242 Bundesliga-Auftritte für Borussia, Bayern und den HSV) und erfolgreiche Geschäftsmann über die Karriere nach der Karriere und seine bei der 3. Mannschaft  des HSV neu erwachte Liebe zum Amateurfußball.         


tippmit: „Dieser Job tötet jede Lebensfreude“ hat Günter Netzer einmal seine Zeit als HSV-Manager zwischen 1977 und 1986 beschrieben. Bei den Rothosen ging es damals hinter den Kulissen gelegentlich hoch her, das ist heute nicht anders. Sie sind zwar nicht Manager des Clubs geworden, sind aber nun seit einem Monat im Aufsichtrat der HSV Fußball AG, was hat den Ex-Nationalspieler und erfolgreichen Geschäftsmann sich in dieses Geschäft zu vertiefen, in dieses Abenteuer zu stürzen?

Jansen: Ich habe für den HSV sieben Jahre gespielt, 152 Bundesligaspiele gemacht, bin hier in der Stadt geblieben, auch vom Herzen her, war nach meiner aktiven Zeit als Spieler  Stiftungsgesicht des „Hamburger Wegs“, bin das auch in den letzten Jahren geblieben, bin im Beirat Campus. Da bin ich gefragt worden und habe das sehr gerne gemacht. Ich habe schöne und erfolgreiche Jahre als Spieler miterlebt, auch die ganz schwierigen Jahre, trotzdem habe ich mich immer zu hundert Prozent mit der Sache identifiziert. Und dann kam man auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mir das auch vorstellen könnte in den Aufsichtsrat zu gehen, dann habe ich mich mit den Verantwortlichen des Vereins  zusammengesetzt und mich für das Vertrauen bedankt und diese Aufgabe angenommen. Das Amt ist ja noch gar nicht so weit fortgeschritten, so lange bin ich ja noch nicht drin, und kann im Moment noch nichts über irgendwelche Probleme sagen.

tippmit: Sie sind für fünf Jahre gewählt, ist in der Zukunft ein weiterer Schritt im operativen Geschäft denkbar, wo auch immer, etwa als Sportdirektor oder Manager?

Jansen:  Da habe ich mir keine Gedanken drüber gemacht. Ich bin jetzt angesprochen worden als Spieler der sieben Jahre hier gespielt hat, der der letzte deutsche Nationalspieler des Vereins ist. Wenn ich als Aufsichtsrat mit Input, mit sportlichen Infos helfen kann, dann mache ich das gerne. Man hat mich gefragt, ich habe die Aufgabe angenommen. Es ist ein Ehrenamt, das darf man auch nicht vergessen. Das verfolge ich mit Einsatz und Leidenschaft, über alles andere habe ich mir keine konkreten Pläne gemacht. Ich bin zu einem Sechstel mit verantwortlich, es findet ein Teamplay statt, in dem wir hoffentlich alle zusammen gute Entscheidungen treffen.    

tippmit: Der HSV ist in in der Bundesliga in akuter Gefahr. Es wird ja auch einen Plan B geben, für den Fall, dass der Klasserhalt nicht gelingt. Hier muss es sicher das Ziel des Bundesliga-Dinos sein, den Weg etwa von Hannover 96 und dem VfB Stuttgart zu gehen und sich ein Jahr später wieder zurückzumelden. Wird der HSV für diese Mission gut aufgestellt sein?

Jansen:  Wir sind als Aufsichtsrat erst ein paar Wochen in der Verantwortung. Das muss man sehen. Der Aufsichtsrat stellt nicht die Spieler auf den Platz. Der Aufsichtsrat führt Aufsicht und kann Rat geben. Das Team ist sich der Verantwortung bewusst. Über konkrete Pläne kann ich auch aufgrund des Aktiengesetzes jetzt noch nichts sagen.        

tippmit: Wenn wir von Abstiegsgefahr sprechen, in der ist auch die dritte Mannschaft HSV III in der fünftklassigen Oberliga Hamburg. Sie sind dort Ende Januar  als Neuzugang vorgestellt worden und hatten vor einem  Monat dort ihren ersten Kurzeinsatz.  Was bewegt einen Vize-Europameister und zweifachen WM-Dritten zu diesem Schritt? Ist das ein Intermezzo oder planen Sie hier längerfristig?

Jansen:  Ich habe nach meiner Laufbahn mit dem Gedanken gespielt, regelmäßig weiterzuspielen, hatte aber Schwierigkeiten mit den vereinbarten Zeiten, weil ich ja auch regelmäßig am Training teilnehmen möchte, also Fußball als Hobby.  Da ich mich auch für den  e.V. eingesetzt habe, viele Schnittstellen dort hatte, bin ich auf die dritte Mannschaft aufmerksam geworden. Das ist dort noch mal ein ganz anderer Fall, vor der Saison hat man gesagt, wenn man die Klasse hält, ist das schon eine Sensation. Der HSV III ist eine eigenständige Mannschaft des e.V. in der höchsten Amateurklasse, wir haben für Oberliga-Verhältnisse ein ganz kleines Budget, unser Zeugwart ist z.B. gleichzeitig auch Innenverteidiger, unser Sechser macht das Fitnesstraining. Das sind ganz andere Umstände, es macht einen Riesenspaß, das ist eine tolle Truppe. Wir versuchen noch das eine oder andere Spiel zu gewinnen, vielleicht eine kleine Serie zu starten. Den Klassenerhalt versuchen wir umzusetzen, auch wenn es schwierig wird. Ich helfe der Mannschaft auch bei der Digitalisierung über meine App Picue, wir haben da einen Mannschafts-Account, auch beim Sponsoring habe ich meine Unterstützung angeboten. Im Moment macht mein Körper mit, es macht Riesen-Spaß mit der Truppe und ich habe mein Hobby an der Stelle einfach zurück. Ich hoffe, ich kann das in den nächsten Wochen und Monaten  noch intensivieren.             

tippmit: Die Zweitvertretung des HSV ist top in der Regionalliga Nord, in der 3. Liga werden wir Sie aber nicht erleben?

Jansen: Ich bin mit ganzem Herzen beim HSV III dabei, das ist eine geile Truppe, da muss ich mich erst mal reinbeißen, dafür, dass ich nach zwei Jahren wieder eingestiegen bin, bin ich schon sehr weit. Ich hoffe, dass ich das Glück habe,  ich habe ja keine großen Verletzungen gehabt, die mir Probleme machen, ich kann da jetzt auch auf hartgefrorenem Kunstrasen trainieren. Es macht Riesen-Spaß, Kabinenluft zu schnuppern. Ich hoffe, dass wir mit der Mannschaft noch den einen oder anderen Sensationssieg holen. Weitere Pläne habe ich nicht, was ich auf jeden Fall ausschließen kann, ist dass ich dafür bezahlt werde, also dass ich meinen Lebensunterhalt noch einmal mit Fußball bestreite.      

tippmit: Wenn man heute Fußballfans nach Marcell Jansen fragt, ist die Aktivität als Aufsichtsrat, Fernsehexperte oder Geschäftsmann im Bewusstsein, aber auch noch das ungewöhnlich frühe freiwillige Karriere-Ende nach 242 Bundesliga- und 46 Länderspielen mit 29 Jahren im Sommer 2015. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler sagte damals: „Dafür habe ich kein Verständnis. Wer so etwas macht, hat den Fußball nie geliebt“. Hat der sich mittlerweile bei  Ihnen entschuldigt oder das relativiert?  

Jansen:  Das ist schon lange relativiert. Ich mag den Rudi, ich finde auch Emotionen sehr gut. Man muss aber auch verstehen, aus welchen Gründen die andere Partei etwas macht, und mit dem nötigen Wissen dann auch Aussagen tätigt. Man darf auch anderer Meinung sein. Ich habe erklärt, warum ich das gemacht habe, das hatte mit dem Fußballspielen  an sich ja nicht so viel zu tun. Ich liebe es jetzt hier montags Abends bei Schneeregen auf Kunstrasen zu spielen, ich habe es geliebt, bei drei Traditionsvereinen zu spielen, habe mich eben nur gegen den Fußball als Hauptberuf entschieden. Und gesagt, dass ich eben gerne ein anderes Leben führen möchte. Ich brauche die Identifikation, die habe ich beim HSV III extrem, deshalb macht mir das auch Spaß. Damals war das halt ein Punkt, der sich auch bestätigt hat, dass das Leben viel zu bieten hat, und Fußball in erster Linie aus Überzeugung gespielt werden muss. Es war nicht mein Ziel, nochmal ins Ausland zu gehen, das war für mich persönlich keine Option.  

tippmit: Sie hatten damals schon längere Zeit eine Geschäftsidee die Idee für eine interaktive  Foto- und Video-App (Picue), die Perspektive als Geschäftsmann war einer der Gründe für den frühzeitigen Ausstieg. Im Nachhinein der richtige Schritt?

Jansen: Der Schritt war nicht nur in der Hoffnung, dass eine Geschäftsidee funktioniert oder nicht, das ist ja auch immer ein Teamplay. Wichtig war, dass ich wusste, dass ich nicht diese App Picue nebenbei entwickeln kann, wenn ich noch mal im Ausland bin. Da wusste ich, dass ich mich irgendwann entscheiden muss, dass ich nicht nebenbei  alle Sachen machen kann. Ich hatte die Chance, diesen Schritt zu gehen mit 29, aus Überzeugung. Als richtig oder falsch bewerte ich den Schritt nicht in Abhängigkeit davon, ob das eine Geschäft sehr erfolgreich oder weniger erfolgreich war.  Richtig war es, weil es sich gezeigt hat, hinsichtlich meines Lebens und meiner Sozialkompetenz, da nicht noch länger zu zögern.  Der Schritt wäre ja ohnehin irgendwann gekommen.

tippmit: Sie sind nun auch Markenbotschafter von SmartBets, einem Portal, in dem etwa die Quoten der Top-Buchmacher verglichen werden.  Was verbindet Sie mit dem Thema Sportwetten, was war die Motivation für diesen Schritt?  

Jansen:  Als SmartBets damals auf mich zu kam, habe ich lange überlegt, mich auch damit auseinandergesetzt und bin zu der Entscheidung gekommen, dass ich sehr gerne Botschafter sein möchte, weil  man ja schon in sehr jungem Alter mit Sportwetten konfrontiert wird, gerade junge Menschen, was ja auch nicht immer Vorteile hat. Wir haben früher im Vereinsheim Tippscheine gemacht, so wie das jeder macht in der Bezirksliga. Was mir dabei aufgefallen ist, dass dieser Markt nicht wirklich transparent war. Heute kannst Du alles vergleichen, es gibt Hotelvergleiche, Flugvergleiche. Wenn ich schon wette, will ich wissen, wo bekomme ich die beste und fairste Quote für mein Geld. Ich finde das was SmartBets macht innovativ, auch technisch sensationell. Und das eben Transparenz in den Wettmarkt gebracht wird. Wetten ist ein zentrales Thema, als mich SmartBets gefragt hat, die ja selber keine Wetten anbieten sondern Informationen, fand ich das super und habe zugesagt.    
 

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